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Sonntag, 18. Mai 2008

Neonazis für Israel?

Neue Phänomene ist mensch inzwischen ja von Nationalen Sozialisten gewohnt. Sie spielen Musik von den Scherben oder den Ärzten, tragen black Block-Klamotten oder die Kufiya. Sogar das Antifasymbol klauen und verändern sie. Das einzige Symbol was für Antifaschisten als unverkennbar antifaschistisches Symbol blieb waren Nationalflaggen, zum Beispiel - und vor allem - die von Israel.
Inzwischen gibt es aber sogar "Nationale Sozialisten für Israel". Das wirft natürlich einige Fragen auf. Ist diese Strömung, sofern mensch das so nennen kann, ein Fake? Wo finden sich Überschneidungen zwischen Nazi-Ideologie und Israelsolidarität? Haben die Nazis ihren Antisemitismus vielleicht sogar überwunden? Falls ja: Wird es nun neben einer antiimperialistischen Querfront zwischen linken und rechten Antiimps eine weite Querfront zwischen linken und rechten israelsolidarischen Aktivisten geben?

Ich möchte versuchen auf diese Fragen, der Reihe nach, Antworten zu geben, beginnend mit der Frage:

Ist diese Strömung, sofern mensch das so nennen kann, ein Fake?
Diese Frage liegt nahe, haben Nazis doch selbstredent Juden und damit auch den jüdischen Staat als Erzfeinde auserkoren.
Für diese Betrachtung nehmen wir aber einmal an, dass es sich hier um keinen Fake handelt. Sowohl Kommentare auf dem Blog der "NaSofI"[1] wie auch die Argumentation der Nationalen Sozialisten lässt dies zumindest theoretisch zu, wie sich zeigen wird.

Wo finden sich Überschneidungen zwischen Nazi-Ideologie und Israelsolidarität?
Um diese Frage zu beantworten muss mensch sich erstmal ansehen, wie die "Kameraden" argumentieren. Dass Nazis nicht mehr die "Anderswertigkeit der Rassen" propagieren sollte bekannt sein. Ihr Rassismus ist dennoch nicht verschwunden, sondern äußert sich in ihrem Ethnopluralismus. Dem nach ist jede Ethnie in einem Teil der Welt verwurzelt und darf dort in ihrem "natürlichem Lebensraum" - wohlgemerkt rassisch homogen - leben.
Die NaSofI fordern genau diesen Ethnopluralismus auch für Israel, wenn sie schreiben, dass "[j]edes Volk [...] seine Tradition, sein Territorium und seinen Platz in der Geschichte [hat] - und dazu gehört auch Israel." [2] Damit werden Menschen (hier: Juden) via rassistischer Argumentation an ein Fleck Land gebunden. Neu ist das, wie gesagt, nicht. Neu ist nur, dass dieser Ethnopluralismus erstmal auch ausdrücklich von Rechten für Juden gefordert wird.

Erstmals werden Juden auch als "ein gesundes und starkes Volk"[3] betrachtet. Dass "[e]in starkes Volk [zu leben] verdient [hat ...] und ein krankes zu sterben" [3] machen die Autoren von vorne her rein klar. Auch diese Argumentation ist rassistisch, wo wir eindeutig bei den Überschneidungen zwischen wahnsinniger Rassentheorie der Nazis und Israelsolidarität andererseits wären.

Haben die Nazis also ihren Antisemitismus sogar überwunden?
Schaut mensch sich die Artikel genauer an, wird schnell deutlich: ohne Antisemitismus funktioniert bei Nazis keine Israelsolidarität - so paradox dies auch klingen mag. Hinzu zu der bereits besprochenen rassistischen Argumenatation gesellen sich leicht erkennbare antisemitische Argumentationsmuster.

Freilich: In dem ersten Absatz des "Warum Israel" [2] Textes setzen sich die Nazis ungewöhnlich selbstkritisch mit ihren Feindbildern und ihrer Ideologie auseinander. Trotzdem wird dem angesprochenem Absatz nicht klar widersprochen; weßhalb mensch annehmen muss, dass auch die NaSofI Israel eine Mitschuld "an nahezu allem politischen Elend in der Welt" anlastet. Auch dies gehört zum Standartrepertoire neonazistischer Antisemiten.

Darüberhinaus wird Juden in Deutschland bzw. ethischen Minderheiten generell ein "Zersetzungswerk" zugeschrieben - eine Argumentation die gewiss geistiges Erbe der nationalsozialistischen Rassentheorie ist.
Ein Absatz zeigt besonders deutlich wie antisemitisch geprägt die NaSofI denken:

Es lag in der Natur des Zustandes der Diaspora, dass sie [die Juden] gar nicht anders konnten, als sich in anderen Völkern einzunisten. Wer kann es ihnen verdenken, dass sie den Schritt zur vollständigen Assimilation nie getan haben, dass sie immer - und erfolgreich! - ihre völkische Identität gewahrt haben? Die Progrome, die Vertreibungen, die Inquisition, sie sind ebenso verständlich; Selbstverteidigungsakte bedrohter Völker. In diesem Kontext ist auch der sog. "Holocaust" zu sehen, aber keinesfalls zu verteidigen.[3]
Juden werden per se als volksfremd und andersartig deklariert - obwohl sie sich selbst mehreitlich als Deutsche, Franzosen, Amerikaner usw. sahen!
Auch ohne Geschichtsrevisionismus kommt der Artikel nicht aus, fordert er doch Verständnis für die Shoah, quasi als (wenigstens eine) mögliche Antwort auf das "Weltjudentum". An dieser Stelle zeigt sich besonders deutlich, dass der Antisemitismus nicht verschwunden ist.

Laut NaSofi-Logik haben Juden auch einen Staat gegründet und damit verbunden "fremde Elemente vertrieben (das Säuberungswerk dauert immer noch an)" [3]. Auch hier bedienen sie Ressentiments gegenüber der israelischen Staatsgründung, die durchaus antisemitisch konnotiert sind.

Wie sieht es nun also aus mit der Querfront?
Eine Querfront zwischen Antideutschen und NaSofI ist mit Gewissheit auszuschließen. Schaut mensch sich die Argumentation der Nazis an, wird deutlich, dass sich hier nicht viel mehr finden lässt als eine Abkehr vom klassischem Antisemitismus. Dennoch strotzt die Argumentation vor Rassismus und Antisemitismus - ein Fundament auf dem niemals eine Querfront zwischen Antideutschen und Nazis zu Stande kommen kann.

Anders verhält es sich mit Neokonservativen, wie sie vielfach auf Politically Incorrect rumgeistern. Die Schnittmengen, zwischen deren dominierendem Israelverständniss und den NaSofI dürfte um einiges umfassender sein. Antifaschisten sollten ihr Augenmerk besonders darauf richten, damit die Nazis keinen Zulauf von neokonservativen und (vermeintlich) israelsolidarischen Menschen bekommen.


[1] z.B. https://www.blogger.com/comment.g?blogID=2110833648563053968&postID=5044260266102646803
[2] http://nasofi.blogspot.com/2007/12/warum-israel.html
[3] http://nasofi.blogspot.com/2008/05/ein-starkes-volk-verdient-es-zu-leben.html

Freitag, 8. Februar 2008

Wo man mit Volksverhetzung Politik macht

Im neuen Wahlwerbespot der NPD, wird die Partei als "Partei des kleinen Mannes" gepriesen. Auch sonst bedient der Wahlwerbespot genau die Thematik, die man von den Nazis gewöhnt ist.
Erschreckend ist, dass dieser Wahlwerbespot gesendet werden muss. Dies entschied der Verwaltungsgerichtshof in Kassel.
Obwohl der Werbespot u.a. die "Streichung der Zuschüsse für jüdische Gemeinden", die "Streichung der Fördergelder für Migration und Integration" oder die "Ausweisung aller kulturfremden Ausländer" fordert, darf - nein musste - der Spot gesendet werden.
Am 03.01.2008 entschied das Verwaltungsgericht Frankfurt/Main den Spot nicht austrahlen zu müssen. Als Begründung wurde auf den Tatbestand der Volksverhetzung hingewiesen. Die Nazis legten hiergegen aber erfolgreich Berufung beim VGH ein.

Am 27. Januar wurde dann in Hessen gewählt. Immerhin 23.972 Menschen oder 0,9% wählten die NPD mit gültigen Stimmen. Die Republikaner kahmen übrigens auf 27.721 Wähler oder 1,0% gültige Stimmen.

Der Skandal ist aber ein anderer. Nämlich, dass mit offenem Rassismus und Antisemitismus hoffähig und von deutschen Staat legitimiert gehetzt werden durfte - nein musste!

Dienstag, 1. Januar 2008

Handyvideo einer Hinrichtung

http://www.iranpressnews.com/media/video/62235212208.3gp Rechtklick, Ziel speichern unter... und mit Quicktime abspielen.

Vorschau? Gern:

Donnerstag, 6. September 2007

Grüße vom antideutschen Olympus-support

Mit der deutschen Sprache, der Zeichensetzung, Grammatik und so weiter nehme ich es ja auch nicht so genau; aber was der Support von Olympus sich erlaubt übersteigt das Maß der Aushaltbarkeit.
Um diesen, den 100. Post in diesem Blog, zu feiern, hier die Email:

Sehr geehrte Herr Badelehrling.
Danke für Ihre Anfrage.
Für Ihre Kamera sind Akku LI-10B , LI-12B geeignet. Es schein so aus entweder Ihre Akku sind zu Alt und schwach.
Entfernen Sie Ihre Akku, lassen Sie die Kamera 24 Stunden Stromlos und Versuchen Sie es mit eine andere Akku. Wenn es nicht Funktionieren werde und Sie können Fotografieren, aber nur der Blitz nicht funktioniert, scheint so aus der Blitz ist Defekt, die Kamera muss Repariert werden.
Sollten Sie weitere Fragen haben, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

[aus Fairnessgründen, Name entfernt]
Technical Care Specialist


Wenigstens stimmen die beiden Standartsätze. "Danke für ihre Anfrage" und "Sollten Sie weitere Fragen haben, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung."

Samstag, 4. August 2007

Der doppelte Oskar

Zum Paradoxon Oskar Lafontaine hat der SPD-Abgeordnete Ulrich Kelber Zitate von Genosse Oskar gesammelt, die sich gegenseitig widersprechen. Auch die Freunde von der NPD kommen mit lobenden Worten zu Wort.

Auch wenn Kelber sicher nur aus eigenem Interesse handelt, um den linken Gegenspieler seiner Partei zu degradieren, ist das lustige Dokument von ihm dennoch lesenswert. Es ist unter folgendem Link einsehbar: http://www.ulrich-kelber.de/medien/doks/20070723.Oskars_Welt.pdf

Einige Auszüge:

„Wahre Solidarität empfindet man entweder gegenüber allen Menschen oder überhaupt nicht.“
aber
„Der Staat ist verpflichtet, seine Bürgerinnen und Bürger zu schützen. Er ist erpflichtet zu verhindern, dass Familienväter und -frauen arbeitslos werden, weil Fremdarbeiter zu niedrigen Löhnen ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen.“

„Die Bild-Zeitung hatte am Mittwoch, 14. Juli 1982 telefonisch eine Interview-Anfrage an den Saarländischen SPD-Parteichef gerichtet, die Lafontaine aufgrund der von ihm nicht gebilligten Arbeitsweise des Boulevard-Blattes, die erneut unter Beweis gestellt wurde, abgelehnt hat.“
aber
Von Januar 2001 bis Januar 2006 war Oskar Lafontaine bei BILD als Kolumnist für monatlich 5.000 Euro unter Vertrag.

Und noch zum Schluss:
"Geht jetzt noch stärker rein in die WASGGruppen. Ihr werdet merken, viele von denen denken so wie wir."
Udo Voigt, Vorsitzender der NPD im Juni 2005

Pallywood

Youtube Beschreibung:
Palastenians putting up shows for the world's media to view, documentry that will truely shock you - and the rest of the world just beleive it. Get the TRUTH!

Mittwoch, 1. August 2007

250m Haschsperre

In den Niederlanden, sollen bis Januar 2009 im Umkreis von 250m um einige Schulen die Coffeeshops verschwinden. Ich hab mich echt weggeschmissen vor lachen. 250m halten die Niederländer also vom kiffen ab? Scheint ja ein extrem latschfaules Völkchen zu sein.

Donnerstag, 26. Juli 2007

Dihydrogenmonoxid

David Harnasch, Journalist und auch Publizist bei der Achse des Guten hat in einer seiner TV-Sendungen ein durchaus aufschlussreiches Experiment durchgeführt:



Lernen können wir daraus, erstmal Dinge auf Hand und Fuß zu überprüfen, bevor sie, gedankenlos und besoffen gequatscht, unterschrieben werden.

Donnerstag, 3. Mai 2007

Deutsche Sprache, schwere Sprache!

Nach PISA, entschieden sich PolitikerInnen auch GymnasieastInnen am Ende der 10. Klasse eine zentrale Abschlussprüfung in den Fächern Deutsch, Mathe und Englisch schreiben zu lassen. Doof nur, dass auch das Deutsch der AufgabenstellerInnen auf der Strecke geblieben ist. Liest man als SchülerIn den Satz "Welcher Anteil aller Autokäufer ist 25 Jahre oder älter sind?" fragt man sich doch, wer hier kein Deutsch kann.

Dienstag, 24. April 2007

Ein paar Zeilen aus Dänemark

Ein paar Zeilen über Dänemark. Trifft sich ganz gut, da ich im Moment nicht viel Zeit für den Blog über habe ;)


In einem Interview der dänischen Zeitung “Politiken Søndag” vom 22. April,schildern 4 der im Haus Anwesenden, unter ihnen ein verletzter Aktivist aus Deutschland, eine etwas andere Version von dem, was sich wirklich im Haus am 1.März dieses Jahres zugetragen hatte. Hierbei wurde sie Zeugen und Betroffene der recht harten Vorgehensweise und Methoden der dänischen Polizei, welche in den letzten paar Monaten immer wieder von der Presse beschönigt wurde und viel Lob bei den Politikern und der bürgerlichen Öffentlichkeit hervorriefen.

Ditte Marie Nielsen, 25 Jahre, Journalistin, ist im Ungdomshuset um eine Dokumentation fürs Fernsehen zu machen; Alexander, 20 Jahre, Aktivist aus Deutschland, ist im Ungdomshuset, um Erste Hilfe bei der Räumung zu leisten, Marc Geraci, 18 Jahre, und Matias Littauer, 17 Jahre, spielen in derselben Punkband und besuchen das Gymnasium.

Vierter Stock
»Ich werde vom Alarm geweckt »Eviction now, eviction now!«, rufen sich die Leute zu. Es herrscht verdammt viel Lärm und ein höllisches Knattern, was wie ich dann feststellte, von einem Hubschrauber stammen musste«.

Ditte ist seit 8 Monaten dabei einen Dokumentarfilm übers Ungdomshuset für die Produktionsgesellschaft Bastard Film zu drehen und hat oft im Haus geschlafen. Nach den Konzerten und der Party im Ungdomshuset am Abend zuvor ist sie spät ins Bett gekommen.
30 Sekunden nach dem Wecken steht Ditte mit ihrer Videokamera und ihrer Gasmaske groggy auf dem Flur.

Ditte : »Ich gehe durch die Küche raus zur Treppe und mache währenddessen meine Kamera klar zum Drehen. Durch ein offenes Fenster kann ich Maschinen unten im Garten sehen.Ein Wasserstrahl von unten aus dem Garten schiesst in meine Richtung so, dass das Fenster zuknallt. Zurück in der Küche, höre ich jemanden rufen, dass die Polizei im vierten Stock sei. Ich renne die Treppe runter und kämpfe ein bisschen mit der Gasmaske, da ich hinter mir Gas bemerke«.

Alexander :»Auf dem Flur laufen Leute hin und her. Es dauert cirka eine Minute, bis ich mich angezogen und die Gasmaske aufgesetzt habe und aus dem kleinen Proberaum raus bin, worin ich geschlafen hatte. Am anderen Ende des Ganges, beim Zugang zum Dach, erkenne ich einige dunkle Silhouetten. Ich beeile mich zu ihnen zu gelangen, da ich denke, dass diese meine Freunde sind. Auf dem halben Weg dorthin bekomme ich einen Schock. Die Silhouetten tragen Schilde, Knüppel und weisse Polizeiabzeichen«.

Es herrscht ein Riesen-Chaos. Die Polizei ist im vierten Stock angelangt, lange bevor die AktivistInnen dieses richtig begreifen. Sie sind bereits dem Überraschungsangriff der Polizei in die Falle gegangen. Alexander brüllt, dass die Polizei da sei, wendet sich um und rennt so schnell er kann. An der Treppe trifft er ein paar seiner Freunde, die hinter ihm die Barrikade an der Treppe zwischen dem 3. und 4. Stock verschliessen. Hinter sich blockierend setzen sie ihren Weg nach unten über die Stockwerke fort. 10 -15 andere AktivistInnen gelingt es ihnen zu folgen. Der Rest wird von der Polizei gefangen, nachdem diese die Barrikaden durchbrochen hat.

Im kleinen Konzertsaal, im Erdgeschoss, liegen Marc und Matias und schlafen ihren Rausch aus. Am Abend zuvor haben sie das Konzert ihres Lebens im Ungdomhus gespielt.
Marc: »Es war einfach unglaublich, dass wir im Ungdomshus spielen konnten, welches DIE Punkszene schlechthin in Dänemark war. Als wir den Gig angeboten bekamen, haben wir nicht eine Sekunde lang gezögert- selbstverständlich würden wir dort spielen. Das war etwas, wovon wir alle seit Jahren geträumt hatten«.

Es wird spät und Marc hat seine Zugkarte nach Hause, Birkerød, vergessen. Scheiss drauf. Sie müssen am nächsten Morgen sowieso zum Unterricht im Christianshavn Gymnasium, deswegen : Warum sollten sie das Angebot einer Übernachtung nicht annehmen?
Es ist kalt, der Kamin ist ausgegangen. Die zwei Musiker haben ein Handtuch und einen Schlafsack von den AktivistInnen bekommen, um sich auf dem Sofa wärmen zu können. Plötzlich, Tumult auf den Etagen über ihnen. »Die Bullen kommen, die Bullen kommen!«, wird gerufen. Ein paar aufgeregte AktivistInnen mit Gasmasken kommen in den Konzertsaal gerannt. »Entweder, verteidigt ihr zusammen mit uns das Haus oder ihr stellt euch hinter die Bar und ergebt euch der Polizei, wenn sie kommen,«lautet die Botschaft an die zwei verkaterten Musiker.
Marc: »Wir haben nicht ganz geblickt, was das bedeutete. Das war ne ziemlich üble Methode geweckt zu werden. Zusammen mit zwei anderen stellten wir uns hinter die Bar. Durchs Fenster hindurch sah es aus, als ob es schneite. Erst, als wir einige der NutzerInnen des Hauses, eingeschmiert mit Schaum herumlaufen sahen, wurde uns klar, dass die Polizei Wasserwerfer einsetzte«, sagt Marc.

»Plötzlich fängt das ganze Haus zu wackeln an und die Kralle eines Baggers durchbricht die Wand. Diese ähnelte einem grossen Monster, was versuchte sich zu uns durchzugraben«.

Einen Augenblick später ist der ganze Raum mit Schild, Gummiknüppel und Gasmasken tragenden Polizisten gefüllt. Kurz danach sitzen die vier hintereinander auf dem Boden, gefesselt mit Plastikstrippen und mit den Beinen um den Arrestierten vor sich. In den angrenzenden Raum wird Tränengas geworfen, was sich schnell in den Raum mit der Bar ausbreitet.
Matias : »Mein Gesicht brannte. Das war, als ob mensch über eine Reibe gezogen werden würde. Mein Pullover war völlig durchgeweicht mit Rotz, Spucke und Tränen und ich konnte fast nicht atmen. Davon wird mensch total kirre , deswegen versuchte ich ein paar Bullen dazu zu bewegen meinen Pulli über den Kopf zu ziehen, um wenigstens das Schlimmste vom Gas abzuwehren«, erzählt Matias, der sich auch einen Beamten mit dem Satz »Na, jetzt isses wohl nich mehr so witzig, was?« erinnern kann.

Und der Wissenschaft zufolge ist es das nun wirklich nicht:

»Tränengas wirkt, indem es die Oberflächen reizt, mit denen es in Kontakt kommen kann. Das heisst Haut, Augen, Schleimhäute und Luftwege. Es ist stärkst irritabel«, erklärt Oberarzt Peter Jacobsen,der im Bispebjerg Krankenhaus in der Giftinformation arbeitet. .

Was passiert, wenn es in geschlossenen Räumen verwendet wird?

»Dann passiert dasselbe, nur die Konzentration ist stärker«.

Keller
Die Treppe vom 4.Stock endet in der Küche im Keller. Durch die Küchenfenster, die mit Metallgittern verbarrikadiert worden sind, kann Alexander die Bulldozer in der Gasse neben dem Ungdomshus sehen, die dabei sind die Barrikaden der Fenster zu zertrümmern. Es ist ein ohrenbetäubender Lärm und die 10-15 AktivistInnen sind belagert. Nur der Keller ist noch nicht von der Polizei erobert worden. Nach etwa fünf Minuten geben die AktivistInnen die Küche auf und suchen verzweifelt Schutz im Keller in der Bar, die ”Hullet”(Das Loch) genannt wird.
Die Tür zur Küche wird abgeschlossen und ein Kampf des Standhaltens gegen das Zertrümmern der Fensterbarrikaden durch den Bulldozer entbrennt.

Computer, Tische, Sofas, Schokoriegel – alles was überhaupt im Raum ist, wird gegen die Tür und die Fenstersimse gestaut, um dem Eindringen der Polizei Widerstand zu leisten.

»Es gelang uns, lange standzuhalten. Die Bulldozer konnten nicht durchbrechen, solange wir die ganze Zeit die Barrikaden weiterstützten. Sie warfen Tränengas rein, doch wir hatten alle, bis auf einen, eine Gasmaske auf. Es brannte auf der Haut, doch es war auszuhalten. Demjenigen ohne Gasmaske, ging es allerdings recht schlecht. Doch dann setzten sie einen Wasserwerfer ein, der Wasser von der Strasse aus gegen dreiviertel des Raumes schiessen konnte. Wir waren gezwungen uns in die zwei Ecken, an die Wand zur Gasse hinaus, zu pressen«, erzählt Alexander.

In der Gasse können die AktivistInnen mehr und mehr Polizeibeamte sehen. Das Wasser hindert sie daran, die Barrikaden weiterhalten zu können.Der Boden ist ein Chaos aus den Resten der Bar, die zerhackt wurde, um als Barrikade verwendet werden zu können. Alles kippt mehr und mehr in der Menge Wasser, was die Polizei hineinschiesst.

Nach 20-25 Minuten im ’Hullet’ müssen die letzten 10-15 Besetzer des Ungdomshuset sich weiter nach hinten zurückziehen. Von Wasser und Gas verfolgt rennen sie in den ”Usmalia” – ein kleiner 10-15 m² grosser Raum mit Schiebetür und plötzlich der einzige Ort für die letzte Verteidigung des Hauses.

Von ’Usmalia’ heraus hören die AktivistInnen , wie die Polizei ins Hullet einbricht. Ein wenig Zeit vergeht und es scheint als ob beide Parteien, je auf ihrer Seite der Tür stehen und darauf warten, dass die endgültige Schlacht beginnt. Es ist ungefähr eine dreiviertel Stunde vergangen, seitdem die Polizei die ersten Mannschaften auf dem Dach abgesetzt hat. Bis auf Gas ist nichts mehr Raum- alles ist für Barrikaden verbraucht worden.

Alexander :»Die Polizei begann an die Tür zu hämmern und forderte uns auf zu öffnen. Wir hämmerten zurück und lärmten dort drin mit allem was wir finden konnten, um den den Bullen zu zeigen, dass wir niemals aufgeben würden. Anderes konnten wir nicht machen. Wir hatten keine anderen Waffen als unsere Schlachtrufe. Plötzlich wurde die Tür aufgebrochen und Tränengas hineingeworfen. Die, die der Tür am nächsten standen wurden von Wasserwerfern zurückgeworfen. Das letzte, was ich sehe, ist ein Bulle mit erhobenen Knüppel«, so Alexander, der erst mehrere Stunden später im Rigshospital erwacht.

Im hintersten Teil des Raumes sitzt Ditte mit ihrer Videokamera auf einem Treppenabsatz.
»Die Polizei bricht die Tür auf und stürmt mit erhobenen Knüppeln in den Raum. Sie prügeln, prügeln, prügeln und prügeln auf die Leute ein und je mehr Bullen sich im Raum bewegen, desto mehr Schläge bekommen die Leute ab. Es ist die absolute Härte und erinnert an eine Zeichentrickschlägerei, wo mensch nur Arme und Beine sieht, die zu allen Seiten rausgucken,« erzählt Ditte.

Ditte : » Ich sehe schnell zwei blutende Köpfe, der eine geht zu Boden. Als die Leute wehrlos geschlagen worden sind, werden sie mit Plastikstrippen gefesselt und auf den Bauch ins Wasser der Wasserwerfer gelegt. Ich sitze im hintersten Teil des Raumes, meine Pressekarte ausgestreckt über den Kopf. Ich versuche mit meiner Kamera zu filmen, doch ein Polizeibeamter mit einem Totschläger haut mir auf die Finger und droht mir, bis ich die Kamera niederlege«.

Sobald die AktivistInnen wehrlos „gemacht“ worden sind, werden ihnen die Gasmasken abgerissen und sie werden hintereinander auf den Boden gesetzt.

Ditte :»Es ist wahnsinnig viel Gas in der Luft und es tut verdammt höllisch weh. Ich huste viel und der Schleim läuft einfach aus meinem Kopf raus. Es hört sich an, als ob mehrere sich erbrechen. Wir sitzen dort einige Minuten, bevor wir einer nach dem anderen zurück in den kleinen Konzertsaal „Spejlægget“(Spiegelei) geführt werden, wo wir alle gesammelt werden«.

Erdgeschoss
»Wir konnten sie lange im Keller lärmen und rufen hören. Erst waren es aufmunternde und anfeuerende Zurufe untereinander. Ein bisschen später wurde daraus »Was zur Hölle macht ihr fürn Scheiss« und ähnliches an die Polizei. Es klang, als ob es wahnsinnig gewalttätig zuging«, sagt Matias.

Eine Weile nach der Verhaftung wurden die vier aus der Bar mit den anderen 32 Festgenommenen aus dem Haus im „Spiegelei“ zusammengepfercht.
Marc : » Viele sahen wirklich übel zugerichtet aus. Einige bluteten stark am Kopf. Andere sassen einfach und schwankten und wirkten nicht ganz ansprechbar. Kurz danach wurden wir alle fotografiert und registriert, und kurz bevor wir abgeführt wurden bekamen wir schwarze Kapuzen über den ganzen Kopf gestülpt. Einge von denen bekamen diese verkehrt herum auf und das war recht unheimlich. Es schien als ob, die Bullen die übelst zerschundenen Gesichter vor der Presse verstecken wollten, die wie wir alle wussten, sich bereits draussen versammelt hatte.«

Nachspiel
Alexander :»Ich war ziemlich umnebelt, als ich aufwachte. Eine Krankenschwester fragte mich immer wieder, ob ich mich an meinen Namen und mein Geburtsdatum erinnern könne. Es gelang mir, dieses stammelnd nennen, bevor mir klar wurde, dass ich in einem Krankenhausbett lag. Ich bin nackt und im Bett ist überall Blut. Es ist ungefähr 10.30. Später erfahre ich, dass ich um ca. 07.50 niedergeschlagen wurde«.

Auf der Videoseite Youtube liegt ein Video unter dem Namen ’Rydningen af ungeren 5’(Räumung des Ungdomshusets Nr5). Hier sieht mensch, wie Alexander leblos aus dem Ungdomshuset geschleppt und auf den Boden gelegt wird. Es ist nur der Rücken von den Einsatzkräften erkennbar, doch es sieht so aus als ob sie versuchen würden, die Blutung zu stoppen und sie decken danach eine Thermodecke über den bewusstlosen Aktvisten.
Alexanders Krankenblatt bestätigt, dass er niedergeschlagen wurde und dass er unter ’Hypothermia Accidentaliu’ – Verkühlung, weil der Körper in einen Schockzustand eingetreten ist. Er wird um 8.24 im Rigshospital eingeliefert.
Die Sanitäter messen Alexanders Bewusstseinsniveau mit ’10 GCS’ – das bedeutet, dass Alexander nicht bei Bewusstsein ist. Dem Bericht der Notaufnahme zufolfge, liegt die Ursache hierfür bei »wahrscheinlicher Schlag auf den Kopf und eingeatmete Mengen an Gas«. Der Arzt in der Ambulanz gibt Alexander 100 Mikrogramm Phentanyl.
»Phentanyl ist 100 mal stärker als Morphin und wird unter anderem bewusstlosen Patienten verabreicht. 100 Mikrogramm ist eine starke Dosis für eine Person, die diese nie zuvor bekommen hat. Eigentlich wird dieses nur PatientInnen gegeben, die akut unter starken Schmerzen leiden«, so Lona Christrup, Lektorin an der Pharmazeutischen Fakultät der Kopenhagener Universität.

Nachdem er im Rigshospital im Traumazentrum für Gehirnerschütterungen gescannt und überwacht worden ist, wird Alexander abermals der Polizei übergeben und 13.45 in Gewahrsam genommen. Samstag, um Mitternacht wird er zusammen mit einer Reihe verhafteter Ausländer an die deutsche Polizei in Puttgarden übergeben. Diese registrieren sie, machen Fotos und fahren wieder.

Ein paar Tage später wird Alexander aufgrund von Kopfschmerzen und Übelkeit, was typische Symptome einer mittleren Gehirnerschütterung sind, wieder für 3 Tage in ein Krankenhaus in Hamburg eingeliefert.
Drei Tage nach ihrer Verhaftung wird Ditte wieder freigelassen, da sie keine Aktivistin sondern Journalistin ist. Ihre Kamera ist nicht konfisziert worden und die Aufnahmen vom Ungdomshus bilden das Rohmaterial für einen Dokumentarfilm im nächsten Jahr.

Doch Ditte hat einen Lungenschaden davongetragen, den sie selbst, den Mengen an Tränengas zuschreibt, die sie gezwungen war einzuatmen, als die Polizei in dem kleinen Kellerraum, ihr die Gasmaske wegriss. Seit dem 1. März hat sie nicht fünf Minuten am Stück reden können, ohne einen nicht zu stoppenden Hustenanfall zu bekommen, was auch einige Male während des Interviews passiert.

Ihr Arzt hat ihr Asthma-Medikamente und Antibiotika verordnet und sie zum Röntgenarzt und zum Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten geschickt. Er weiss nicht, ob die Symptome vom Tränengas stammen, doch er weiss, dass sie etwas ausgesetzt worden war, was ihre Lungen stark in Mitleidenschaft gezogen hat. Oberarzt Peter Jacobsen von der toxikologischen Abteilung im Bispebjerg Krankenhaus zufolge, ist es nicht ganz ausgeschlossen, dass das Tränengas vom 1.März immer noch in ihren Lungen„spukt“.

»Es sind Fälle von Lungenschäden überliefert, wo auf längere Sicht eine heruntergesetze Lungenfunktion diagnostiziert wurde. Lungenschäden sind bekannt und in mehreren Zusammenhängen beschrieben. Ich weiss nicht, welches Niveau im Keller vorherrschte, allerdings passiert es oft in geschlossenen Räumen, wo etwas schief geht. Dort, wo die Leute Lungenschäden bekommen haben, geschah das meist im Zusammenhang mit geschlossenen Räumen und dort wo sie regelrecht „ausgebombt“ wurden, um es drastischer zu formulieren«.

Die Nacht darauf werden Marc und Matias im Eilverfahren vor Gericht gestellt. Matias ist zuerst an der Reihe und wird freigesprochen. Danach folgt ein Schichtwechsel der Richter. Marc wird in den Gerichtssaal geführt und zu Untersuchungshaft verurteilt. Ein paar Tage später wird Matias allerdings wieder verhaftet, da die Polizei meint, er würde die Nachforschungen behindern. Es vergehen ein paar weitere Tage und diesmal wird Marc entlassen. Allerdings auch nur für ein paar Tage und mit ähnlicher Begründung wieder in Gewahrsam genommen. Abgesehen von den paar Tagen in Freiheit sitzen die beiden Musiker drei Wochen in Untersuchungshaft.

Mittwoch, 21. März 2007

Brief von einem Gefangenen der Unruhen in Kopenhagen

Heute gibts nur mal einen kleinen Brief, ohne Kommentar und selbstgeschreibe...

17.März - Brief von einem Gefangenen der Unruhen in Kopenhagen

Dieses ist ein Brief an die Öffentlichkeit von einem Kopenhagener Aktivisten, der von Zivilbullen am 8.März verhaftet wurde. Ihm wird grobe Gewalt gegen die Staatsgewalt vorgeworfen und ist fürs erste 13 Tage in Untersuchungshaft genommen worden. Allerdings geht es wie schon vormals berichtet bei diesen Prozessen, die mit der Räumung des Ungeren zu tun haben, nicht fair zu.

Gedanken aus dem Vestre Fængsel (Westgefängnis)

von modkraft.dk

Zur Veröffentlichung

Der untere Text ist von meinem Bruder, Erik Storrud, verfasst worden und stammt direkt aus dem Vestre Fængsel in Kopenhagen. Er hat mich gebeten, diesen an so viele Medien wie möglich zu schicken. Dieses sind seine Gedanken des ersten Tages in Untersuchungshaft , den 9.März

Ob Hoffnung das höchste Gut ist?
Hoffnung ist das, was uns Menschen ermöglicht schwere Zeiten im Laufe des Lebens zu durchleben. Als ich von meinem Freund auf offener Strasse weggerissen wurde, hoffte ich dass das nur geschah, um mich noch einmal zu kontrollieren. Als ich zu wissen bekam, dass ich verhaftet sei, wagte ich nicht mehr zu hoffen. Mit meinem Wissen über das Rechtssystem wagte ich nicht länger, auf eine gerechte Behandlung zu hoffen. In der Gewahrsamzelle pfiffen ein anderer Gefangener und ich ”rote” Lieder. Dabei wechselten wir uns ab Strophe und Refrain von ”Bella Ciao” und ”El Pueblo Unido” zu pfeifen. Danke an diesen Gefangenen, falls er auf freiem Fuss ist.

Ein Wächter kommt und erklärt mir, dass wenn ich mich anständig benehme, würde ich im Nu wieder draussen sein. Ich kann nicht hoffen, dass er die Wahrheit erzählt. Ein psychisch Kranker in der Zelle nebenan, bekommt zu wissen, dass wenn er damit aufhören würde an die Tür zu hämmern, er schneller freigelassen werden würde. Allmählich geht mir auf, dass sie die Hoffnung benutzen, um uns klein zu halten.

Es ist die Hoffnung, die uns zu leichten, stillen Gefangenen macht. Die Hoffnung, dass es eines Tages besser wird. Die Hoffnung, dass wenn wir uns ihren Regeln fügen, das es dann irgendwie schon gehen wird.Als ich ins Stadtgericht kam, wagte ich nicht darauf zu hoffen, ein gerechtes Urteil verkündet zu bekommen. Als der Richter mich aufgrund meines polizeilichen Führungszeugnis´ und eines misstrauischen Polizeizeugen verurteilte, wurde ich in „Vestre Fængsel“ in Gewahrsam genommen. Erst hier konnte ich anfangen, meine Briefe an die Welt draussen zu schreiben.

In meinen Briefen werde ich schreiben, was ich in Wirklichkeit hoffe. Ich hoffe, dass ich eines Tages Nachrichten sehen kann, die nicht die Aussagen der Polizei, denen der Demonstranten vorziehen. Ich hoffe, dass die Stimmen der Verhafteten und Unterdrückten von so vielen wie nur möglich gehört werden. Ich hoffe, dass so viele wie möglich meine Briefe lesen werden. Aber am meisten hoffe ich, dass ihr alle zusammen tut, was ihr könnt und dass keiner mein Schicksal erleiden muss.

Wenn ihr uns hier drin ernsthaft helfen wollt, dann kämpft weiter! Verbreitet die Botschaft! Erzählt den Leuten, was passiert ! So können wir zusammen für eine Welt kämpfen, wo mensch nicht gefangen genommen wird, gefoltert wird und nicht sein/ihr Leben zerstört wird, nur weil mensch an etwas glaubt.

Für eine Welt ohne Gefängnisse!

Mit freundlichen Grüssen

Erik Storrud, celle 354
Vestre Fængsel
Vigerslev Allé 1D
2450 Kbh. SV

Donnerstag, 15. März 2007

Konsequenzen für Nazi-Polizisten?

Überall gibt es schwarze Schafe. Wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt in jüngster Vergangenheit merken musste machen die ungeliebten Bestien auch vor der deutschen Polizei nicht Halt. Bei Ermittlungen gegen etwa zehn Beamte der Personenschutzgruppe aus Frankfurt, den Beamten wird Betrug und Untreuhe vorgeworfen, stiessen die ErmittlerInnen bei drei von ihnen auf Hinweise die auf eine rechtsextreme Gesinnung schließen lassen.

Einer von ihnen hat sich in einer SS-Uniform fotografieren lassen - das Verfahren gegen ihn ist eingestellt worden, da die Aufnahme nicht in der Öffentlichkeit gemacht wurde.
Ein Zweiter hat eine Glückwunschkarte im Stil einer Urkunde des Dritten Reiches einem Kollegen für dessen "besondere Verdienste bei der Standarte M. F." (Michael Friedmann) überreicht. Weiterhin hatte er Lieder der Rechtsrockband Landser auf seinem Computer, was "nicht strafbar wäre, wenn nicht jeder auf die Musik Zugriff gehabt hätte" (Thomas Bechtel). Bringen wir es auf den Punkt: Der Inhalt der Songs ist egal, aber das Copyright muss geschützt werden. Auch dieser Beamte hat nicht mit einer Bestrafung zu rechnen, da seine Akte langsam aber sicher irgendwo verstaubt. Ohne Folgen für ihn und seine Rechte Gesinnung, aber sicher nicht ohne symbolischen Wert für eine Praxies die in Deutschland schon immer Gang und Gebe war.
Der letzte der drei Beschuldigten hatte das Horst-Wessel-Lied [NSDAP-Hymne] auf seinem Computer gespeichert. Zur Zeit wird eine mögliche Verbreitung und dessen Konsequenzen geprüft - vom Inhalt wird auch in diesem Fall abgesehen.

Der jüdische Publizist Michael Friedman formulierte treffend: "Es ist ein unerträgliches Gefühl, dass die, die mich vor den Nazis schützen sollen, teils selbst Nazis waren". Wobei er einen kleinen Zeitenfehler dareingebaut hat. Richtig müsste es heissen "Es ist ein unerträgliches Gefühl, dass die, die mich vor den Nazis schützen sollen, teils selbst Nazis sind".

Samstag, 10. März 2007

Sperrt die Jugend weg!

Nun ist es beschlossene Sache. Jugendliche Straftäter dürfen auch nach verbüßter Haftstrafe in Sicherheitsverwahrung genommen werden. Im Klartext heisst das, dass Jugendliche Täterinnen und Täter, nach einer Gefährlichkeitsprognose, auch nach verbüßen der Haftstrafe weiter inhaftiert werden können. Diese Gefährlichkeitsprognose muss zwar mindestens einmal im Jahr erneuert werden, aber es ist denkbar, dass Menschen so ihr Leben lang in Haft bleiben können. Konkret sieht es im Gefängniss so aus, dass sich die Menschen den Gefängnisbedigungen anpassen und gehorchen müssen. Wer nicht genügend Anzeichen für seine/ihre zukünftige Ungefährlichkeit bietet, muss bis zum letzten Tag der Haft abwarten ob er/sie nun frei kommt oder - auch wenn im Urteil nie von (möglicher) Sicherheitsverwahrung die Rede war - weiterhin einsitzen muss. Bringen wir das ganze auf eine einfache Formel: "Friss oder stirb!"

Auch muss man sich die psychologischen Konsequenzen für die Häftlinge klarmachen. Sie bleiben die ganze Zeit in der Ungewissheit, wann sie wieder frei kommen. Wie soll sich so eine enorme psychologische Belastung positiv auf eine Resozialisierung auswirken?! Fest steht, dass die Resozialisierung von Langzeitgefangenen heute schon ein grosses Problem ist. Da möchte ich mir garnicht ausmalen, wie dieses Problem bewältigt werden soll, wenn junge Menschen auf Grund von Anpassungsschwierigkeiten und psychologischem Druck auf unbestimmte Zeit festgehalten werden dürfen.

Für Widerholungstäter, Schwerverbrecher und vorallem ältere Menschen, die sich bereits weitestgehend entwickelt haben, mag eine Sicherheitsverwarung noch diskutabel sein. Junge Menschen, die sich noch entwickeln, verbaut man aber die Zukunft - wer stellt schon einen Ex-Häftling ein, vorallem da es genug andere BewerberInnen gibt?

Anstatt die TäterInnen mit Methoden zu bestrafen, die sie möglicherweise selbst anwendeten (warum macht den Staat besser, wenn er die selben Methoden wie sie die TäterInnen anwendeten?), sollte den Gründen für die Taten nachgegangen werden. Drei Viertel der jugendlichen GewalttäterInnen haben höchstens einen Hauptschulabschluss. Auch spielt der soziale Stand eine entscheidende Rolle. Der sinnvollste Ansatz Gewalt zu verhindern, ist also in Händen der Bildungspolitik! Laut Christian Pfeiffer (vom Niedersächsiches Kriminologischen Institut in Hannover) gibt es zudem nicht mehr Gewalt, sondern lediglich eine erhöhte Bereitschaft Delikte anzuzeigen.

Trotzdem sind sich alle PolitikerInnen einig, dass Erziehung der Weg zur Besserung ist. Da Erziehung meist Zwang und Anspassung ist, sind neue (schmerzhafte) Zwangsentladungen seitens der "zu bekehrenden" vorprogrammiert. Unterm Strich ist die ganze Debatte hierrum also nichts als Schall und Rauch dass garantiert das genaue Gegenteil von dem erreichen wird, was es erreichen will!